Autoglas
Steinschlag reparieren oder Windschutzscheibe wechseln?
Ob ein Steinschlag repariert werden kann, entscheidet sich an vier Merkmalen: Größe, Lage, Tiefe und Alter. Wer sie kennt, weiß schon vor dem Werkstatttermin, worauf es hinausläuft.
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Ein Steinschlag ist selten ein Notfall und fast immer ein Termin. Der Unterschied liegt darin, wie schnell man ihn macht: Aus einem Einschlag von drei Millimetern wird bei Frost, Hitze oder einem Schlagloch innerhalb weniger Tage ein Riss über die halbe Scheibe. Repariert werden kann dann nichts mehr.
Vier Merkmale entscheiden über Reparatur oder Austausch. Sie lassen sich am eigenen Fahrzeug in zwei Minuten prüfen.
1. Die Größe
Als Faustregel gilt: Ist die beschädigte Stelle kleiner als ein Zwei-Euro-Stück, kommt eine Reparatur grundsätzlich in Frage. Gemeint ist der gesamte Schaden einschließlich der feinen Ausläufer, nicht nur der Einschlagpunkt in der Mitte.
Legen Sie die Münze zum Vergleich neben die Stelle, nicht darauf – auf der Scheibe verdeckt sie genau das, was Sie beurteilen wollen.
2. Die Lage
Der wichtigste Punkt, und der am häufigsten unterschätzte.
Im Sichtfeld der Fahrerin oder des Fahrers wird nicht repariert. Der Bereich, den die Scheibenwischer direkt vor dem Lenkrad überstreichen, heißt Fernsichtfeld. Jede Reparatur hinterlässt dort eine minimale optische Verzerrung, und die hat im direkten Blickfeld nichts zu suchen. Eine Beschädigung in diesem Bereich kann außerdem bei der Hauptuntersuchung zur Beanstandung führen.
Am Scheibenrand wird ebenfalls nicht repariert. Innerhalb von etwa zehn Zentimetern zum Rand liegen die Spannungen im Glas am höchsten, und dort verläuft die Verklebung mit der Karosserie. Ein Schaden in dieser Zone schwächt die Scheibe strukturell – sie trägt bei modernen Fahrzeugen zur Steifigkeit der Karosserie bei und stützt im Überschlag das Dach.
3. Die Tiefe
Eine Windschutzscheibe besteht aus zwei Glasscheiben mit einer zähen Kunststofffolie dazwischen. Das ist Verbundglas, und deshalb zersplittert eine Frontscheibe nicht wie eine Seitenscheibe, sondern bleibt im Rahmen.
Für die Reparatur zählt: Betroffen sein darf nur die äußere Glasschicht. Reicht die Beschädigung bis zur Folie oder gar durch sie hindurch, hilft kein Harz mehr. Erkennbar ist das oft daran, dass sich die Stelle von innen ertasten lässt.
4. Das Alter
Ein frischer Steinschlag ist innen hohl. In diesen Hohlraum wird bei der Reparatur unter Vakuum ein Kunstharz eingebracht, das anschließend mit UV-Licht aushärtet.
Steht der Schaden schon Wochen offen, sitzen dort Staub, Wasser und Straßenschmutz. Das Harz verbindet sich dann schlechter mit dem Glas, und die Stelle bleibt sichtbarer. Wasser ist der schlimmste Fall: Gefriert es, sprengt es die Beschädigung von innen auf.
Kurz gefasst: klein, außerhalb des Sichtfelds, nicht am Rand, nur außen, frisch – dann Reparatur. Trifft eines dieser Merkmale nicht zu, wird die Scheibe getauscht.
Was für die Reparatur spricht
Die Originalscheibe bleibt im Fahrzeug. Das ist mehr als eine Kostenfrage: Bei jedem Austausch wird die Verklebung neu hergestellt, und jede Verklebung ist eine handwerkliche Arbeit mit Aushärtezeit. Wer sie sich sparen kann, spart sich auch die damit verbundenen Risiken.
Dazu kommt die Kaskoversicherung. Eine Teilkasko übernimmt Glasschäden in der Regel; bei der Reparatur verzichten viele Versicherer auf die Selbstbeteiligung, weil sie deutlich günstiger ist als ein Austausch. Ob und wie das in Ihrem Vertrag geregelt ist, steht in den Bedingungen – fragen Sie im Zweifel vor dem Termin bei Ihrer Versicherung nach.
Was beim Austausch dazukommt
Beim Scheibentausch ist die Scheibe nicht das Ende der Arbeit.
Kamera und Sensoren. Fahrzeuge mit Spurhalteassistent, Notbremsassistent oder Verkehrszeichenerkennung haben eine Kamera hinter der Windschutzscheibe. Nach dem Einbau muss diese Kamera neu eingemessen werden. Unterbleibt das, misst der Assistent falsch – und ein Notbremsassistent, der zu spät oder zu früh reagiert, ist gefährlicher als keiner.
Aushärtezeit. Der Scheibenkleber braucht Zeit, bis er die vorgeschriebene Festigkeit erreicht. Wie lange, hängt vom Klebstoff, von der Temperatur und von der Luftfeuchte ab. Vor Ablauf dieser Zeit ist das Fahrzeug nicht fahrbereit – auch wenn die Scheibe längst fest aussieht.
Zubehörteile. Regensensor, Spiegelfuß, Blenden und Dichtungen werden umgesetzt oder ersetzt. Auch das gehört zum Umfang und sollte im Angebot stehen.
Was Sie bis zum Termin tun können
- Klebefolie darüber. Ein Stück durchsichtiges Klebeband hält Wasser und Schmutz aus der Beschädigung. Es gehört auf die Außenseite und darf nicht ins Sichtfeld ragen.
- Keine Temperatursprünge. Nicht mit Heißluft abtauen, nicht im Sommer die Klimaanlage auf voller Stufe gegen die aufgeheizte Scheibe blasen. Das Glas dehnt sich ungleichmäßig und der Riss läuft.
- Schlaglöcher meiden. Jeder Stoß arbeitet an der Beschädigung.
- Nicht selbst herumdrücken. Wer prüft, ob sich etwas bewegt, bewegt es.
Und wenn Sie unsicher sind
Schicken Sie ein Foto. Eine Aufnahme aus etwa dreißig Zentimetern Abstand, mit einem Geldstück daneben als Größenvergleich, beantwortet die meisten Fragen schon vorab. Auf welche Merkmale wir dabei sehen, steht oben – dieselben vier.
Was wir bei Autoglasarbeiten übernehmen, steht auf der Seite zum Autoglasservice. Für eine Einschätzung genügt eine kurze Anfrage oder ein Anruf unter 02371 9407860.
Häufige Fragen
Wie groß darf ein Steinschlag für eine Reparatur höchstens sein?
Als Faustregel gilt: Die beschädigte Stelle sollte nicht größer sein als ein Zwei-Euro-Stück. Entscheidend ist aber nicht nur die Größe, sondern auch, ob die Beschädigung den Scheibenrand berührt und ob sie im Sichtfeld der Fahrerin oder des Fahrers liegt.
Hält eine reparierte Scheibe genauso gut wie eine neue?
Eine fachgerechte Reparatur stellt die Festigkeit der Scheibe an der beschädigten Stelle weitgehend wieder her, weil das eingefüllte Harz die Hohlräume ausfüllt und aushärtet. Eine kleine optische Restspur bleibt in der Regel sichtbar.
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